Bewerbungsprozess Digitale Marketing Beratung in Hamburg

Ich habe in den letzten Jahren einige Bewerbungsrunden geführt und meinen Prozess dabei Stück für Stück geschärft. Nicht perfekt, aber für quiteBOLD als digitale Marketing Beratung aktuell sehr stimmig.

So sieht der Prozess heute aus:

  1. Erstes Gespräch mit allen relevanten KandidatInnen, ca. 30 Minuten
  2. Engere Auswahl mit zwei Aufgaben: Datenanalyse plus Entwurf einer Quick Strategie, ca. 2,5 Stunden
  3. Das Team lernt die Person kennen und hat ein finales Veto

Warum das aus meiner Sicht so gut funktioniert und was ich dabei gelernt habe, erfahrt ihr hier.

Runde 1: 30 Minuten für das erste Bauchgefühl

Mir reichen 30 Minuten, um ein erstes Gefühl zu bekommen, ob jemand grundsätzlich für den Job geeignet ist. In dieser Phase schaue ich weniger auf Fachwissen im Detail, sondern eher auf:

  • Sicherheit im Gespräch mit einer Person, die man noch nicht kennt
  • Antrieb und Motivation
  • Mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Arsch

Klingt banal, ist aber enorm wichtig. Wenn diese Basis nicht passt, muss ich gar nicht in komplexe Aufgaben investieren. Die beste Qualifizierung bringt mir nichts, wenn ich im Alltag merke, dass die Person menschlich gar nicht zum Team passt.

In der ersten Runde will ich deshalb vor allem verstehen:

  • Was war der Impuls, sich bei quiteBOLD zu bewerben?
  • Wie spricht die Person über frühere Stationen?
  • Welche Fragen stellt sie nicht nur zur Stelle, sondern auch dazu, wie wir arbeiten?

Wenn hier alles stimmt, dann geht es weiter.

Runde 2: Quick Strategie und Datenanalyse

In Runde 2 kommt der fachliche Check.
Für eine digitale Marketing Beratung wie quiteBOLD ist das der wichtigste Filter: Wie konzeptionell kann jemand arbeiten und wie geht sie oder er mit Daten um?

Die Strategie-Aufgabe

Die Aufgabe kommt bewusst mit wenig Kontext.
Meist ein (fast) unbrauchbarer Zweizeiler in der Art:

„Wir machen X, wollen mehr Y, das ist unser Produkt. Was würdest du machen?“

Ich gebe absichtlich kein perfektes Briefing. Warum?

Gute Beraterinnen und Berater schreiben sich ihr eigenes Briefing.

Ich will sehen:

  • Welche Fragen werden gestellt?
  • Wie sauber ist die Auftragsklärung?
  • Ist die Person in der Lage, sich ihren eigenen Rahmen zu setzen?

Mir geht es weniger darum, ob die erste Strategieidee schon perfekt ist.
Viel wichtiger ist der Gedankengang dahinter: Wie strukturiert jemand das Problem? Welche Informationslücken werden erkannt? Wie klar wird priorisiert?

Die Datenanalyse-Aufgabe

Die zweite Aufgabe ist eine Tabelle mit Zahlen ohne weitere Erklärung.
Conversions, Klicks, Impressions, Kosten. Keine saubere Legende, kein 10-seitiges PDF mit Backgroundwissen.

Die Frage ist: Was machst du damit?

Spannend für mich:

  • Wer beißt sich an der Aufgabe fest?
  • Wer stellt die richtigen Rückfragen?
  • Wer erkennt auch ohne Kontext Muster und Zusammenhänge statt nur einzelne Kennzahlen vorzulesen?

Gerade im Performance-Bereich brauche ich Menschen, die aus Zahlen eigenständig Hintergründe erkennen. Also nicht nur beschreiben, was sie sehen, sondern ableiten was zu tun ist.

Runde 3: Team und finales Veto

Wenn Runde 2 passt, kommt der wichtigste Schritt: Das Team trifft die Person.

Mir ist wichtig, dass nicht nur ich ein gutes Gefühl habe, sondern auch diejenigen, die im Alltag eng mit der Person zusammenarbeiten werden. Das Team hat bei uns ein finales Veto.

Bedeutet, wenn das Team den Eindruck hat, dass die Chemie nicht passt, nehme ich das ernst oder auch wenn Bedenken bzgl. der Qualifizierung auftauchen. Komplett legitim. Für mich als Gründer super dankbar diesen doppelten Check zu haben.

Am Ende muss die Person nicht nur in mein Bild von quiteBOLD passen, sondern auch in das der Menschen, die hier jeden Tag arbeiten.

Meine Learnings aus dem Prozess

Für mich mindestens genauso wichtig sind die Learnings, die sich aus den Gesprächen und Aufgaben ergeben haben.

1. CVs sind Strukturgeber, keine Entscheidungsgrundlage

CVs helfen mir, ein Gespräch zu strukturieren. Mehr nicht.

Ob da „Head of XY“ steht ist für mich zweitrangig. Titel sind oft aufgeblasen und sagen wenig darüber aus, wie jemand wirklich gearbeitet hat.

Wichtiger sind Fragen wie:

  • Kann die Person unternehmerisch denken?
  • Welche Projekte wurden beim alten Arbeitgeber angeschoben und ganzheitlich begleitet?
  • War sie vielleicht schon einmal selbstständig oder in einer Rolle mit echter Ergebnisverantwortung?

Das sind die Punkte, an denen ich merke, ob jemand nur im System mitgeschwommen ist oder wirklich Dinge bewegt hat.

2. Gespräche nie zu eng takten

Ein Fehler, den ich am Anfang gemacht habe: Termine zu eng legen.

Heute plane ich mindestens 15 Minuten Puffer zwischen den Gesprächen ein.
Warum?

  • Gute Gespräche brauchen Raum
  • Manchmal wird es im letzten Drittel erst richtig spannend
  • Ich will nicht abbrechen müssen, nur weil der Kalender voll ist

Diese Luft macht einen spürbaren Unterschied. Für die KandidatInnen und für mich.

3. Geduld mitbringen und nicht bei 90 Prozent aufhören

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Geduld.

Es ist verlockend, bei guten Kandidaten bereits zufrieden zu sein.
Gerade dann, wenn der Bedarf da ist, Projekte auf dem Tisch liegen und man „halt jemanden braucht“.

Mein Anspruch ist ein anderer:

Ich möchte die Person mit einem guten Gefühl einstellen.
Mit der Sicherheit, dass sie fachlich und menschlich passt.
Nicht, weil sie gerade die beste von den verfügbaren Bewerbungen ist, sondern weil sie wirklich die richtige für die Rolle ist.

Das bedeutet auch:

  • lieber länger suchen
  • lieber eine Runde mehr drehen
  • lieber Aufgaben schärfen, statt Abstriche zu machen

Das ist anstrengender, zahlt sich aber aus. Denn eine „Fehlbesetzung“ kostet am Ende deutlich mehr Zeit, Geld und Nerven als ein paar zusätzliche Wochen im Suchprozess.

Wenn du als Marketing Beratung gerade suchst

Wenn du gerade Leute suchst, lohnt sich vielleicht ein Blick auf diese Fragen:

  • Wie viel Gewicht gibst du CV und Titeln im Vergleich zu Denkweise und Haltung?
  • Prüfst du konzeptionelles Arbeiten wirklich oder nur Fachwissen im Smalltalk?
  • Hat dein Team ein echtes Mitspracherecht?

Ich bin sicher, dass ich meinen Prozess weiter anpassen werde.
Aber Stand heute fühlt er sich für quiteBOLD sehr gut an.

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